Professorinnenprogramm des Bundes und der Länder (Phase I, II und III)

Koalitionsvertrag

Wir wollen dazu beitragen, dass Frauen vermehrt Führungspositionen in Hochschulen und Forschungseinrichtungen übernehmen. Orientiert am Kaskadenmodell müssen Wissenschaftseinrichtungen auf eine Steigerung des Frauenanteils verpflichtet werden. Wir werden als Kriterium für die Förderung von Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen die Vorlage von Gleichstellungs- und Personalentwicklungskonzepten mit verbindlichen Zielgrößen zur Erhöhung des Frauenanteils sowie die Einhaltung von Gleichstellungsstandards einführen. Einen wichtigen Beitrag wird das erneuerte Professorinnenprogramm leisten. (KoaV 34/1438 ff.)

Gleichstellungspolitische Relevanz

Junge Frauen legen heute häufiger ein Abitur ab als junge Männer, sie beginnen ebenso häufig ein Studium wie diese und sie verfassen rund die Hälfte aller Promotionen. Nach der Promotion verlassen jedoch überdurchschnittlich viele Frauen die Wissenschaft. Weniger als ein Drittel der Habilitationen werden von Frauen geschrieben. Derzeit ist nur etwa jede vierte Professur in Deutschland mit einer Professorin besetzt. Damit sich mehr Frauen für Berufswege in der Wissenschaft entscheiden, brauchen wir strukturelle Veränderungen. Als eine der Maßnahmen, um mehr Frauen auch nach der Promotion im Wissenschaftssystem zu halten und ihre Präsenz auf allen Qualifikationsstufen zu steigern, haben Bund und Länder 2008 das Professorinnenprogramm ins Leben gerufen.

Gleichstellungspolitische Wirkung

Das Programm erhöht die Anzahl der Professorinnen an deutschen Hochschulen nachhaltig und stärkt durch spezifische Maßnahmen die Gleichstellungsstrukturen an Hochschulen. Talente und Potentiale von Frauen werden bis in die Spitzenpositionen in das Wissenschaftssystem eingebunden und insbesondere junge Frauen zur Verfolgung einer Wissenschaftskarriere motiviert. Die Repräsentanz von Frauen auf allen Qualifikationsstufen im Wissenschaftssystem wird nachhaltig verbessert und die Anzahl der Wissenschaftlerinnen in den Spitzenfunktionen des Wissenschaftsbereichs gesteigert. Zudem wird ein gleichstellungspolitischer Struktur- und Kulturwandel für mehr Chancengleichheit an Hochschulen gefördert.

Überprüfung

Das Professorinnenprogramm wurde 2012 und 2017 bezogen auf die erste und zweite Programmphase evaluiert. Die Ergebnisse der Evaluationen konnten zeigen, dass das Programm seine beiden wesentlichen Ziele – die Erhöhung des Professorinnenanteils und die Verstärkung von Gleichstellungswirkungen – umfassend erreicht hat (vgl. Zimmermann 2012: 7; Löther/Ganz 2017: 5) Auch die gegenwärtige dritte Programmphase wird entsprechend dem dazu gefassten GWK-Beschluss evaluiert.