Beratungs- und Unterstützungsangebote sowie zertifizierte Prüfverfahren für Unternehmen zur Entgelttransparenz

Koalitionsvertrag

Beschäftigte in Unternehmen ab 200 Beschäftigten können seit dem 6. Januar 2018 erstmals einen individuellen Auskunftsanspruch geltend machen und Auskunft über die Entgeltstrukturen im Unternehmen verlangen. Für Betroffene wollen wir bei der Antidiskriminierungsstelle des Bundes gezielte Beratungs- und Unterstützungsangebote schaffen sowie zertifizierte Prüfverfahren für Unternehmen anbieten. (KoaV 24/977 ff.)

Gleichstellungspolitische Relevanz

Der Unterschied in den Bruttostundenverdiensten von Frauen und Männern beträgt 20 %. Durch strukturelle Unterschiede in der Erwerbsbiographie und im Erwerbsverhalten von Männern und Frauen kann ein Teil der Lohnlücke erklärt werden. Auch diese strukturellen Unterschiede sind gleichstellungspolitisch relevant. Die verbleibenden 6 % des Verdienstunterschieds werden als bereinigter Gender Pay Gap bezeichnet. 

Eine Ursache der Entgeltlücke sind ist die fehlende Transparenz betrieblicher Entgeltsysteme. Das Entgelttransparenzgesetz ist ein wichtiger Baustein, um das Prinzip „gleiches Entgelt für gleiche und gleichwertige Arbeit“ in der Praxis durchzusetzen. Um Rechte und Pflichten aus dem Entgelttransparenzgesetz bekannter zu machen und die Umsetzung zu intensivieren, bedarf es Beratungs- und Unterstützungsangebote für Beschäftigte, betriebliche Interessenvertretungen und Arbeitgeber gleichermaßen. 

Gleichstellungspolitische Wirkung

Die bereitgestellten Beratungs- und Unterstützungsangebote klären die genannten Akteure über ihre Rechte und Pflichten nach dem Entgelttransparenzgesetz auf und beraten z.B. die Beschäftigten über die Voraussetzungen der Geltendmachung des Auskunftsanspruches, um die Kriterien und Verfahren der Entgeltfindung im Betrieb sowie die Höhe des Entgelts für eine gleiche oder gleichwertige Tätigkeit zu erfahren. Zudem werden Unternehmen betriebliche Prüfverfahren vorgestellt, mit denen sie Entgeltgleichheit zwischen Frauen und Männern praxisnah umsetzen können. 

Überprüfung

Im Juli 2019 wurde die erste Evaluation zur Wirksamkeit des Entgelttransparenzgesetzes durch die Bundesregierung vorgelegt. Sie zeigt u.a., dass der Auskunftsanspruch bisher zurückhaltend wahrgenommen wird, aber viele Unternehmen bereits eine Überprüfung ihrer Entgeltstrukturen vorgenommen haben. Die nächste Evaluation erfolgt in 4 Jahren.