Fem.OS – Aufsuchendes Orientierungs- und Beratungs-System in den sozialen Medien für Migrantinnen

Gleichstellungspolitische Relevanz

Migrantinnen weisen eine weit unterdurchschnittliche Arbeitsmarktintegration auf, die durch niedrige Beschäftigungsquoten, häufig unterqualifizierte Beschäftigungen, geringere Bezahlung und teilweise prekäre Arbeitsbedingungen gekennzeichnet ist. Förderung und Beratungsangebote der Regelstrukturen erreichen viele Migrantinnen nicht. Mit Arbeitsmarktintegration eng verbunden sind Themen wie Absicherung in der Schwangerschaft, Kinderbetreuung, familiäre Gesundheit und Gewaltschutz. Diese werden fast ausschließlich von Migrantinnen nachgefragt und haben unmittelbar hemmende Auswirkungen auf die berufliche Integration. 

Gleichstellungspolitische Wirkung

Migrantinnen informieren sich zu den familien- und frauentypischen als auch zu den Arbeitsmarktthemen vorwiegend in den muttersprachlichen sozialen Medien (u. a. Facebook, WhatsApp, YouTube, Webforen), weil dort keine Sprachbarrieren bestehen und ihre Nutzung mit der familiären Einbindung vereinbar ist. Über das Projekt Fem.OS findet aufsuchende muttersprachliche Beratung social media Foren statt, die Frauen dort erreicht, wo sie nach Information und Beratung suchen. Es gleicht damit das Defizit im Zugang zu Informationen und die Geschlechterverteilung in Präsenzberatungsstellen, die häufiger von Männern aufgesucht werden, zumindest teilweise aus. 

Überprüfung

Qualitätssicherung anhand Erfolgsindikatoren, Zwischenevaluationsbericht 1. Quartal 2022

Umsetzung

Icon: Pfeile mit der Beschriftung "Laufend"



Mit Fem.OS wurde ein digitaler Zugang zu Beratung und Informationen für Frauen aus Drittstaaten ermöglicht, der niederschwellig angelegt ist und funktioniert. Seit Mai 2020 wurden mehr als 4.000 Fragen zum Leben und Arbeiten in Deutschland dokumentiert, welche die zehn Beraterinnen bei Fem.OS in den sozialen Medien in elf Sprachen beantworten. Sie schaffen so auch einen direkten Kontakt zur Fachberatung der örtlichen Agenturen für Arbeit und Jobcenter für die berufliche Integration der Frauen. Über die 740 Kommunikationsorte und 140 Frauengruppen überwiegend bei Facebook können potentiell neun Millionen Mitglieder mit nicht-europäischer Spracheinstellung erreicht werden. Seit 8. März 2021 hat das digitale Beratungsangebot eine eigene Webseite und ist darüber zukünftig auch Frauen zugänglich, welche über die sozialen Medien nicht erreicht werden.